GlüStV und UFC-Wetten: Warum MMA nicht auf der Whitelist steht

Offizielles Dokument zum Glücksspielstaatsvertrag auf einem Schreibtisch mit Stift

Ich erinnere mich noch an den Moment, als ich 2021 zum ersten Mal die finale Fassung des Glücksspielstaatsvertrags durcharbeitete. Da stand es schwarz auf weiß: MMA taucht auf der Liste der zugelassenen Sportarten für Sportwetten schlicht nicht auf. Für jemanden, der seit zwölf Jahren Kampfsportanalysen erstellt und Wettmärkte beobachtet, war das ein Schlag ins Gesicht — aber kein überraschender. Die politische Logik dahinter ist nachvollziehbar, auch wenn ich sie für falsch halte.

Der GlüStV 2021 hat den deutschen Sportwettenmarkt grundlegend umgebaut. Mit einer Sportwettsteuer von 5,3 % auf jeden Einsatz und einem anbieterübergreifenden Einzahlungslimit von 1.000 Euro monatlich hat die Regulierung klare Grenzen gesetzt. Was viele UFC-Fans nicht wissen: Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder arbeitet mit einer sogenannten Whitelist — einer Positivliste zugelassener Sportarten. Und auf dieser Liste fehlt MMA. Die Konsequenz: Kein in Deutschland lizenzierter Buchmacher darf legal Wetten auf UFC-Kämpfe anbieten. Wer als deutscher Wetter trotzdem auf UFC setzen will, muss auf Anbieter mit EU-Lizenz ausweichen — ein Thema, das ich in meinem Artikel zur Rechtslage ausführlich behandle.

Ladevorgang...

Wie die GGL-Whitelist funktioniert und welche Sportarten zugelassen sind

Bei einem Treffen mit einem Compliance-Berater eines großen deutschen Buchmachers habe ich einmal gefragt, warum die Whitelist so restriktiv ist. Seine Antwort war sinngemäß: Man müsse das aus Sicht der Regulierer sehen — die wollten manipulationssichere Märkte. Genau das ist der Kern des Systems.

Die GGL-Whitelist ist eine behördlich geführte Liste von Sportarten und Ligen, auf die in Deutschland zugelassene Sportwettenanbieter Wetten anbieten dürfen. Die Grundidee: Nur Wettkämpfe mit ausreichender Integrität und Transparenz sollen Gegenstand von Sportwetten sein. Fußball, Tennis, Basketball, Eishockey, Handball — die großen Mannschafts- und Einzelsportarten stehen auf der Liste. Kampfsport fehlt komplett.

Die Kriterien für die Aufnahme auf die Whitelist umfassen mehrere Faktoren. Der Wettbewerb muss von einem anerkannten Sportverband organisiert sein, der über funktionierende Anti-Manipulations-Mechanismen verfügt. Es muss eine ausreichende Datenlage für die Quotenbildung existieren. Und der Wettbewerb darf nicht als sogenannte „Low-Score-Sportart“ klassifiziert werden — ein Punkt, der für UFC-Wetten entscheidend ist.

In der Praxis bedeutet das: Die 34 legalen Sportwetten-Webseiten der 30 lizenzierten Anbieter in Deutschland bieten ein eingeschränktes Sportarten-Portfolio an. Wer 5,3 % Sportwettsteuer auf jeden Einsatz akzeptiert und sich an das 1.000-Euro-Limit hält, bekommt dafür regulatorische Sicherheit — aber eben keine MMA-Wetten. Das ist der Tradeoff, den der Gesetzgeber bewusst so gestaltet hat.

Interessant ist, was auf der Whitelist nicht steht: Neben MMA fehlen auch Darts, E-Sports und eine Reihe weiterer Sportarten, die international längst ein umfangreiches Wettangebot haben. Die GGL aktualisiert die Liste regelmäßig, aber die Aufnahmekriterien sind streng. Für MMA existiert bislang kein Antrag eines Sportverbands, der die Anforderungen erfüllt.

Warum MMA als Low-Score-Sportart eingestuft wird

GGL-Vorstand Ronald Benter hat das Ziel des GlüStV 2021 so beschrieben: Die Überführung des ehemals illegalen Marktes in den legalen Markt sei weitgehend umgesetzt. Für den Bereich MMA-Wetten stimmt diese Aussage definitiv nicht — und das liegt an einer spezifischen Klassifikation.

Der Begriff „Low-Score-Sportart“ klingt technisch, ist aber eigentlich simpel. Gemeint sind Sportarten, bei denen das Endergebnis durch wenige, einzelne Aktionen bestimmt wird — im Gegensatz zu Sportarten mit hohen Ergebniszahlen wie Fußball oder Basketball, wo das Resultat aus einer Vielzahl von Spielzügen entsteht. Die Logik dahinter: Je weniger Einzelereignisse das Ergebnis bestimmen, desto anfälliger ist der Wettbewerb für Manipulation.

Bei einem UFC-Kampf kann ein einziger Schlag den Ausgang entscheiden. Ein Knockout in Runde eins, ein überraschender Submission-Versuch, ein Tiefschlag, der zum No Contest führt — die Ergebnisvarianz bei MMA ist enorm hoch und hängt von Momententscheidungen ab. Genau das macht MMA für Regulierer problematisch, denn die Nachweisbarkeit von Manipulation wird schwieriger, wenn ein einzelner Moment den Kampf entscheidet.

Allerdings übersieht diese Klassifikation einige wichtige Punkte. Die UFC verfügt über eines der strengsten Anti-Doping-Programme im Profisport. Es gibt umfassende Monitoring-Systeme für Quotenbewegungen. Und mit einem Jahresumsatz von über 1,5 Milliarden Dollar hat die Organisation wirtschaftlich wenig Anreiz, Manipulationen zu tolerieren — das Reputationsrisiko wäre existenzbedrohend. In vielen anderen Ländern, in denen MMA-Wetten reguliert zugelassen sind — etwa Großbritannien, Australien oder mehreren US-Bundesstaaten –, ist die Manipulationsrate bei MMA-Events nicht höher als bei anderen Sportarten.

Der Vergleich mit Boxen ist aufschlussreich: Auch im Boxen entscheidet ein einzelner Treffer über KO oder nicht — und dennoch sind Boxwetten bei deutschen Lizenzinhabern teilweise zugelassen. Die Grenze zwischen „erlaubt“ und „verboten“ wirkt an dieser Stelle weniger wie eine systematische Risikoanalyse und mehr wie eine historische Zufälligkeit.

Wie realistisch eine Whitelist-Aufnahme von MMA bis 2027 ist

Jedes Jahr im Januar schaue ich mir die politischen Signale an und frage mich: Wird dieses Jahr das Jahr, in dem MMA auf die Whitelist kommt? Bisher war die Antwort immer nein — aber 2026 hat sich die Ausgangslage verändert.

Der GlüStV 2021 enthält eine Evaluierungsklausel. Die Bundesländer sind verpflichtet, die Wirksamkeit des Staatsvertrags regelmäßig zu überprüfen. Die nächste große Evaluierung steht an, und dabei geht es nicht nur um abstrakte Verwaltungsfragen, sondern um handfeste wirtschaftliche Interessen: 2024 generierten Glücksspielsteuern und -abgaben in Deutschland rund 7 Milliarden Euro. Ein Markt, der wächst, bringt mehr Steuereinnahmen — und ein legaler MMA-Wettmarkt würde dieses Wachstum beschleunigen.

Für eine Aufnahme von MMA auf die Whitelist müssten mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Erstens bräuchte es einen Antrag eines anerkannten Sportverbands — die International Mixed Martial Arts Federation wäre ein möglicher Kandidat, hat aber in Deutschland bislang keinen formellen Schritt unternommen. Zweitens müsste die GGL eine Risikoanalyse durchführen und zum Ergebnis kommen, dass die Manipulationsrisiken beherrschbar sind. Drittens bräuchte es politischen Willen in der Ministerpräsidentenkonferenz.

Die Chancen stehen besser als je zuvor, aber „besser als je zuvor“ heißt nicht „gut“. Realistisch betrachtet würde eine Whitelist-Aufnahme frühestens 2027 oder 2028 greifen — nach Abschluss der Evaluierung und einem politischen Abstimmungsprozess zwischen 16 Bundesländern. Bis dahin bleibt die Situation für deutsche UFC-Wetter unverändert: EU-lizenzierte Anbieter als einzige Alternative neben dem regulierten Markt.

Was mich persönlich optimistisch stimmt: Der Druck der Schwarzmarkt-Problematik. Die Zahl der illegalen deutschsprachigen Sportwetten-Webseiten stieg 2024 von 281 auf 382 — ein Zuwachs von 36 %. Dem standen nur 34 legale Seiten gegenüber. Wenn die Strategie „restriktiver regulieren“ den Schwarzmarkt nicht schrumpft, sondern wachsen lässt, dann muss der Gesetzgeber umdenken. Mehr zugelassene Sportarten wären ein Weg, das legale Angebot attraktiver zu machen — und damit dem Schwarzmarkt Kunden zu entziehen.

Was genau ist die GGL-Whitelist?

Die GGL-Whitelist ist eine von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder geführte Positivliste. Sie enthält alle Sportarten und Ligen, auf die in Deutschland lizenzierte Sportwettenanbieter Wetten anbieten dürfen. Sportarten, die nicht auf der Liste stehen — darunter MMA — sind für den regulierten deutschen Wettmarkt gesperrt.

Können neue Sportarten auf die Whitelist aufgenommen werden?

Grundsätzlich ja. Die GGL überprüft die Whitelist regelmäßig und kann neue Sportarten aufnehmen, wenn ein anerkannter Sportverband einen Antrag stellt und die Integritätskriterien erfüllt sind. In der Praxis ist dieser Prozess langwierig und erfordert politische Abstimmung zwischen den 16 Bundesländern.

Gilt der GlüStV auch für EU-lizenzierte Anbieter?

Der GlüStV regelt den deutschen Markt und gilt für alle Anbieter, die eine deutsche Lizenz besitzen. EU-lizenzierte Anbieter ohne deutsche Lizenz unterliegen formal nicht dem GlüStV, sondern den Regeln ihrer Lizenzjurisdiktion. Für deutsche Spieler bedeutet das: Bei EU-Anbietern greifen andere Schutzstandards als im regulierten deutschen Markt.

Erstellt von der Redaktion von „ufc Wetten Deutschland“.

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